Tiny Tales of Love (Pt. 1)




The trees were shadows in the dark silence. Next to each other they walked, silently. She didn't know what to say. This oppressive silence. She was glad when he started talking, although afterwards she could remember his words only vaguely, as they walked together under the cover of the trees along the parkway.
»What were you up to today?« He kept his voice in a calm tone, but she could see how tense he was.
»Went to the cinema with a bunch of friends.«
»Was it any good? The movie, I mean.«
She stopped and looked at him. »What did you want to talk about?«
He cleared his throat. She watched him rub his hands against his sweater. »Well, yeah. So...« He looked down. »We've known each other for awhile now...«
Two weeks, she thought. Fourteen damn days. She felt her heart flutter faintly. Felt his words even before he voiced them. There it was, the feeling, sitting heavily in her stomach like a spiky creature that coiled and twisted deep down inside. She knew what was coming.
»... and I realized...« He took a breath. »That I'm in love with you. I think I... love you.«
Silence. How loudly the blood was pulsing through her head, she thought. And she knew she had to say something, but what.
»I... suppose I knew you'd say that«, she said. On his face - it was so open, so vulnerable, she couldn't look at him any longer - there the pain was as if she had slapped him in the face. She wanted to slap herself, but
It took him a few moments to take in her words. Slowly he went on. She followed him. »I don't know what to...« She broke off. »I'm not good at this.«
»You are the first one I've told something like this.« He looked up and gave a shaky smile. She didn't smile back.
He nodded slowly. »I want to know what you think about this. How you feel.«
She felt sick. The darkness came creeping towards her from all sides. She looked down so she wouldn't have to see his face. Grovel crunched under their steps. How she felt about it? What a stupid question. His words swirled around in her head. Why now? Why did he have to right now -
»I knew you were going to ask me something like this.« She spoke slowly. Numbly. Damn it, what was she gonna say? »Look, I... I know it's not fair towards you. But I'm not sure what to think of all that. I need time. Time to think, and to... I don't know. I just don't know.«
He nodded. He tried to hide it from her, but she could see how miserable he was. She felt disgusting. But it was the truth: she did not know how she felt. She did not know what she wanted. Knew nothing at all. That was the truth, was it not?
»Yeah. Sure«, he said. His voice strangely hoarse. »Take your time.« Perhaps this was the worst, his understanding words.
Silently they walked side by side, from time to time brushing each others arms. Silently they listened to the whispering voices of the night, gradually filtering down to them. Silently they walked along the gravel path. And silently, silently they stood still among the shades of the trees by their bikes.
With his thin face he turned to her. »Well.«
»Well...« She didn't know what to say. It was nice, see you tomorrow, bye. She wanted to reach out her hand, touch him, but there was something between them, the spoken words and the unspoken, separating them.
For a few heartbeats they stood in the dark silence, then she couldn't bear it anymore. She said: »I am sorry. I am.« Words without meaning.
He shrugged. »Don't be.« But she saw it in his eyes. She was a dodger, and he was a liar.

//


//

Die Bäume waren Schatten in der dunklen Stille. Sie gingen nebeneinander her, schweigend. Sie wusste nicht, was sie sagen sollte. Die drückende Stille. Sie war froh, dass er etwas sagte, im Nachhinein erinnerte sie sich nur noch blass an die Worte, und sie gingen nebeneinander im Schutz der Bäume den Parkweg entlang.
»Was hast du heute gemacht?« Er versuchte, gelassen zu klingen, doch sie konnte sehen, wie angespannt er war. 
»Ich war mit ein paar Freunden im Kino.«
»War er gut? Der Film, meine ich.« 
Sie blieb stehen und sah ihn an. »Worüber willst du mit mir reden?« 
Er räusperte sich. Sie sah, wie er seine Hände an seinem Pullover rieb. »Nun ja. Also…« Er blickte zu Boden. »Wir kennen uns jetzt schon seit einiger Zeit...«
Zwei Wochen, dachte sie. Vierzehn verdammte Tage. Sie spürte, wie ihr Herz matt aufflatterte. Spürte seine Worte schon, bevor er sie aussprach. Da war es, dieses Gefühl, das so schwer in ihrem Magen lag wie ein stacheliges Tier, das sich in ihrem Inneren wand. Sie wusste, was jetzt kam. 
»… und ich habe gemerkt…« Er holte Luft. »… dass ich mich in dich verliebt habe. Ich glaube, ich… liebe dich.« 
Schweigen. Wie laut das Blut in ihrem Kopf pulsierte, dachte sie. Und sie wusste, sie sollte etwas sagen, aber was. 
»Ich… dachte mir schon, dass du das sagen würdest«, sagte sie schließlich. In seinem Gesicht – er war so offen, so verletzlich, sie konnte ihn nicht länger ansehen – da war der Schmerz, als hätte sie ihn ins Gesicht geschlagen. Am liebsten hätte sie sich selbst geschlagen, aber 
Es dauerte, bis er die Bedeutung ihrer Worte begriff. Er ging langsam weiter. Sie folgte ihm. »Ich weiß nicht, was ich…« Sie brach ab. »Ich bin nicht gut in so was.« 
 »Du bist die erste, der ich das gesagt habe.« Er hob den Kopf und lächelte sie unsicher an. Sie lächelte nicht. 
Er nickte langsam. »Ich möchte wissen, wie du darüber denkst. Oder fühlst.« 
Ihr war schlecht. Die Dunkelheit kroch von allen Seiten auf sie zu. Sie blickte zu Boden, um ihn nicht ansehen zu müssen. Der Weg knirschte unter ihren Schuhen. Wie sie darüber fühlte? Was für eine bescheuerte Frage. Seine Worte wirbelten in ihrem Kopf herum. Warum jetzt? Warum hatte er sie ausgerechnet jetzt -
»Ich hatte mir schon gedacht, dass du das fragen würdest.« Sie sprach langsam. Wie betäubt. Verflucht, was sollte sie sagen? »Hör zu, ich… ich weiß, das ist nicht gerecht dir gegenüber. Aber ich kann dir keine Antwort geben. Es ist dumm. Ich weiß selbst nicht, was ich fühle. Ich kann nicht – « Sie verstummte. 
Er schwieg. Wartete darauf, dass sie fortfuhr. 
»Ich weiß nicht, was ich sagen soll«, sagte sie. Langsam gingen sie nebeneinander her. »Ich mag dich, sehr sogar. Aber ich bin mir nicht sicher, was das heißt. Ich brauche Zeit. Um nachzudenken, um… ich weiß nicht. Ich weiß es einfach nicht.« 
Er nickte. Obwohl er es vor ihr zu verbergen versuchte, sah er so unglücklich aus, dass es ihr einen Stich versetzte. Sie fühlte sich so ekelhaft wie nie. Aber es war die Wahrheit: Sie wusste nicht, was sie fühlte. Sie wusste nicht, was sie wollte. Wusste gar nichts. Das war die Wahrheit, oder nicht? 
»Ja. Sicher«, sagte er. Seine Stimme seltsam rau. »Lass dir Zeit.« Vielleicht war das das Schlimmste, seine verständnisvollen Worte. 
Schweigend gingen sie nebeneinander her, streiften ab und zu den Arm des Anderen. Schweigend lauschten sie den wispernden Nachtgeräuschen, die allmählich wieder zu ihnen durchsickerten. Schweigend gingen sie den Kiesweg entlang. Und schweigend blieben sie im Schatten der Bäume bei ihren Fahrrädern stehen. 
Mit seinem schmalen Gesicht wandte er sich ihr zu. »Tja.« 
»Tja…« Sie wusste nicht, was sie sagen sollte. Es war schön, bis morgen, wir sehen uns. Sie wollte die Hand ausstrecken, ihn berühren, aber da war etwas zwischen ihnen, die Worte und das Schweigen, das sie voneinander trennte. 
Ein paar Herzschläge lang verweilten sie noch in der dunklen Stille, dann hielt sie es nicht mehr aus. Sie sagte: »Es tut mir leid. Wirklich.« Worte ohne Sinn. 
Er zuckte mit den Schultern. »Das muss es nicht.« Aber sie sah es in seinen Augen. Sie war eine Betrügerin, und er war ein Lügner.


Tiny Tales of Love (Pt. 4)

Tiny Tales of Love (Pt. 3)

Tiny Tales of Love (Pt. 2)

Tiny Tales of Love (Pt. 1)

Popular